Freitag, 20. Juni 2014

Tag 020: Umleitung mit Begleitung

Heute die ersten Meter mit Nette hinunter bis zur Kirche am Nassfeldpaß spaziert. Nachdem wir uns von einander verabschiedet haben und ich alleine weitergehe, könnte ich fast schwören, daß Nette sich unbemerkt in den Rucksack geschmuggelt hat.

Ein paar Meter weiter holt mich Peter ein. Er hat vom Seniorchef des Hotels noch Infos und Empfehlungen für die heutige Etappe bekommen. Der 403er Karnische Höhenweg ist auf diesem Abschnitt stellenweise noch im Schnee oder Durch Fels-/Wegabbrüche kaum begehbar. Peters Stundenplan ist deshalb eine Liste mit Almen, um die prekären Stellen zu umgehen und am Ende noch eine Gipfelüberschreitung, weil der Höhenweg an der Nordflanke "lebensgefährlich" wäre.

Mich nimmt er auch gleich noch mit. So gehen wir heute quasi als Duett, bevor sich unsere Wege wieder trennen werden, weil er morgen wieder nach Hause fährt.

Durch das Nassfeld-Skigebiet geht es in flottem Schritt über die Tressdorfer Alm zur Rudnig, an der Tröpolacher vorbei zur Rattendorfer Alm. Die öffnen heute gerade erst, aber ein Getränk gibt es schon. Die unbeabsichtigte Passierung der Ringmauer Nordseite beschert uns mindestens 150 zusätzliche Aufstiegsmeter, aber schließlich erreichen wir doch noch die Straniger Alm, wo eine Brotzeit (mangels Brot mit erheblich Specküberschuß) nach knapp 7h unterwegs bitter nötig ist.

Nachdem uns unterwegs 4 Jungs und später noch 2 schwäbische Damen reichlich lebendig aus der Nordpassage des Findenigkofels entgegen kommen und von schwierigen aber nicht unmöglichen Verhältnissen berichten, stimmen wir uns noch kurz ab, bleiben aber bei der Entscheidung, über den Gipfel zu gehen, auch wenn das eine geschätzte Stunde mehr ist.

Bereits im Aufstieg werden wir mit dem Wahnsinn von vor 99 Jahren konfrontiert: Wir finden alte Unterstände im Fels und Grundmauern von Gebäuden der K&K-Truppen, da ja am Karnischen Höhenzug der Hochgebirgskrieg ab 1915 tobte.
Der Weg zum Gipfel geht den Grat hoch, auf dem auch heute noch die Grenze verläuft, und den ganzen Grat entlang zieht sich ein Schützengraben. Ab und an finden sich weitere betonierte Unterstände und in den Fels gehauene Geschützstellungen auf engstem Raum.
Schon im Sommer, ohne Kälte, Eis und Schnee, mit moderner Funktionskleidung ausgestattet und mit nicht mal ganz 20kg auf dem Buckel in Form eines bequem zu tragenden Rucksacks, ist es eine ordentliche Anstregung, den Gipfel zu erklimmen - geschossen hat auf uns auch niemand.
Welch Leid und Entbehrungen mußten hier die Soldaten ertragen, die noch dazu vom Balkan kamen, da die Einheimischen mit den Nachbarn auf der italienischen Seite ein viel zu gutes Verhältnus hatten. Und an dieser Stelle nur, weil die österreichischen Generäle eigentlich der Meinung waren, der Gailtaler Höhenzug auf der anderen Talseite wäre zwar leichter zu verteidigen, aber was die Italiener einmal haben, geben sie nicht wieder her ...

Am Gipfel des Findenig:






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