Mittwoch, 30. Juli 2014

Tag 060: Wasser von allen Seiten

Nachdem es gestern bei meiner Ankunft mit dem Schiff in Stresa schon geregnet hatte und in der Nacht sich wahre Sturzbäche ergossen, war am Morgen erstmal Waffenruhe.

Aber die Aussicht war alles andere als rosig:


Das Frühstücksbuffet im Schloß-ähnlichen Parkhotel (hätte mit dem Inventar auch als Museum durchgehen können) war für italienische Verhältnisse ungewohnt bombastisch und schon am Vorabend hatte es die Dame am Empfang gut mit mir gemeint: Statt im Nebengebäude im Park, wurde ich per kostenlosem Upgrade in einem Zimmer im Haupthaus untergebracht. Ob ursächlich sie sich die Wegerklärung (sie sprach aber prima Englisch und Deutsch), sie sich die Begleitung durch den Regen sparen wollte oder ob sie es einfach gut mit einem Fernwanderer mit großem Rucksack meinte, mußte ich gar nicht genauer ergründen ;-)

Und auch aus der fränkischen Heimat meinte man es gut mit mir: So bekam ich Angebot, im Ferienhaus von Olivers Familie in Luino zu übernachten - aber da war ich ja nur mit dem Schiff auf der Durchreise. Trotzdem vielen Dank für das super nette Angebot und auch oder gerade weil wir uns seit ihrem Wegzug von Nürnberg nur noch so selten auf irgendwelchen Events mal gesehen haben, sollte ich nach meiner Rückkehr da bei Gelegenheit mal wieder was in die Wege leiten.


Heute geht es vom Ufer des Lago Maggiore 1200 Höhenmeter hoch auf den Mottarone und dann fast wieder genauso viel auf der anderen Seite nach Omegna am Ortasee hinab.

Der Regen kommt heute nach einer guten Stunde. Und wie. Immer wenn er mal nachläßt, setzt er etwas später umso dauerhafter wieder ein. Wenigstens sind die dazu kommenden Gewitter nicht in unmittelbarer Nähe und mit etwas Galgenhumor, kann man sich immerhin noch daran erfreuen, nicht mit der reichlich altersschwach erscheinenden und typisch italienisch gepflegten (also laut der italienischen Schweizer vermutlich seit dem Bau vor Jahrzehnten gar nicht mehr) Seilbahn fahren zu müssen. Außerdem ist auf knapp 1500 Metern Ende Juli in diesen Breiten auch nicht mehr mit Schneefeldern zu rechnen.

Soweit zu den positiven Punkten. Nun, die wirklich gut ausgeschilderten und im Abstieg auch sehr deutlich markierten Wege sollte ich nicht vergessen. Auf dem L1 ging es hoch und auf dem P1 bergab.

Weniger prickelnd war allerdings, daß mich richtig heftiges Gewitter  etwas nach der letzten Einkehrmöglichkeit am Gipfelgrad erwischte.  Die Blitze schlugen unweit von mir ein und an den Fingern konnte man richtig die aufgeladene Atmosphäre der Luft spüren. Leicht geduckt und so schnell, wie es das bei Feuchtigkeit nicht ganz einfache Gelände zuließ, versuche ich von der freien Bergschulter weg zu kommen. Der Weg P2 verspricht zwar 10 min weniger Wegzeit und ein zentraleres Ende in Omegna, aber bei den Verhältnissen ist mir "nur für erfahrene Exkursionisten" bzw. Klettersteig in einer meiner Karten denn doch etwas arg heikel.

Ich schreibe noch, also hat mich kein Blitz erwischt.
Da heißt es erstmal: X X X

Der P1-Weg ist spannend genug: Die Weg-Rinne windet sich in Serpentinen durch bizarre Felsformationen, lockeren Baumbestand und später durch denn Wald den Steilhang hinab. Das Gras steht dadurch hüfthoch und man sieht nicht so recht, wo man hintritt, durch die Weg-Rinne ist das aber trotzdem ganz gut handzuhaben.


Nur an einer Stelle bin ich im 2 m hohen Farnurwald mal kurz verloren - da waren meine Vorgänger - deren Spuren ich immer wieder als Orientierungshilfe nutze - aber auch erst falsch.

Irgendwann hört der Regen auf, dafür schießt im unteren Bereich teilweise knöcheltief das Wasser, den Weg als Bachbett nutzend, hinab.


Völlig durchweicht (das zweite Mal auf der Tour seit Graz) komme ich letztlich heil in Omegna an.
Eigentlich sogar heiler als beim Start: Der Starkregen hat wohl Dreck aus meinem GPS-Schnappkarabiner gespült, so daß dieser jetzt wieder schnappt, nachdem er die letzten Tage den selbstständigen Dienst verweigert hatte - es hat eben alles auch seine guten Seiten, und das sagt DER Pessimist vor dem Herrn :-)


Apropos gute Seiten: Zwischendurch (zwischen den Gewittern und den beängstigenden Sturmböen) waren für einen Augenblick mal alle Wolken weg, blauer Himmel über dem Tal und in einem Wolkenfenster in der westlichen Ferne die weißen Spitzen der Monte-Rosa-Gruppe zu sehen. Beeindruckend und ein gutes Ziel, sich in den nächsten Tagen damit mal "näher" zu beschäftigen.




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