Samstag, 23. August 2014

Tag 076: Trau keiner Ankündigung und keiner IGC-Karte

Nachdem das Wetter sich schon im Verlauf des Vortags erheblich gebessert hatte, herrscht heute wieder traumhaftes Bergwetter.


Zu Beginn heißt es von Ronco Canavese noch ein Stück der Hauptstraße gen Süden bis Bosco zu folgen, wo ich mit einem Schweizer ins Gespräch komme, der dort bis heute Urlaub gemacht hat.

Dort soll dann laut Bätzing-Ankündigung ab 2011 der Weg direkt zur Scharte Colle Crest, welchem auch die blaue Via Alpina folgt, wieder freigeschlagen und als GTA markiert sein. So ist es auch in der neueren IGC-Karte vermerkt. Man spart sich dadurch einige Kilometer Teerstraße, es ist kürzer und man hat etwas weniger Höhenmeter.
Einzig das Ganze scheint schon wieder ein einziges Hirngespinst zu sein :-(

Nach Jeffs Bericht vom Vortag ignoriere ich diese Option sowieso von vorneherein, da hier wohl Wege nach Ankündigungen (denen möglicherweise nie Taten folgen) in Landkarten schon mal vorsorglich verlegt werden, die anderen schauen zumindest in Bosco, finden aber keinerlei Hinweise, so daß wir letztlich alle den Bogen über Masonaje gehen. Die Straße dorthin geht überwiegend durch den Wald, in angenehmer Steigung bergan und ist so gut wie gar nicht befahren.

Dann folgt ein schmaler Pfad durch Wald- und später Almgebiet. Kurz nachdem mich unsere Mädels hier eingeholt und überholt haben:


... kommt noch ein junges Pärchen den Pfad entlang. Ich rutsche meinen Rucksack an meiner Pausenstelle vom Weg und trete wieder Schritt beiseite.
Diese augenscheinlichen Franzosen sind aber nicht nur Stoffel (siehe Südtirol), sondern sie sind schon als asozial zu bezeichnen: Nicht nur wortlos, sondern ohne mit der Wimper zu zucken oder einen Blick in irgendeine Richtung links, rechts, oben oder unten zu werfen, marschieren sie wie Roboter mich leicht gesenktem Fokus starr geradeaus an mir vorbei. Wie die anderen mir später erzählen werden, war es bei deren Begegnung identisch.
Ich hätte ihnen doch ein Bein stellen, den Rucksack umfallen lassen oder einen Schrei ausstoßen sollen ...


An mehreren Almen geht es vorbei und dann quer unter dem Gipfel (die anderen sitzen derweil auf dem Gipfel und ein paar ganz Verrückte haben sogar Modellsegelflieger hochgeschleppt und am Kreisen) des Rosta zur Scharte Colle Crest, wo ich vor dem anstehenden Abstieg raste. Hier ist der alternative Weg von Norden herauf zu erahnen, aber die Erlenüberwucherung bereits auf den obersten Metern läßt Übles erahnen.


Über einen netten Weg durch Wiesen geht es zu einer Alm, wo Kühe gerade mit Salz den Weg bergauf gelockt werden. Eine Nachzüglerkuh, die den Anschluß an die Herde verloren hat, wäre fast mit Jeff zurück ins Tal abgestiegen, wenn er ihr nicht durch einen Zwischenspurt entkommen wäre.
Sind schon Rindviecher 2.0 ;-)

Interessanterweise gibt es hier keine Latschen am Übergang an der Baumgrenze, stattdessen wird hier in der Gegend die oberste Ebene durch lichten Birkenwald gebildet.

Im Abstieg hole ich letztlich die Mädels beim Fußbad im Gebirgsbach ein und gemeinsam steigen wir das letzte Stück bis Talosio ab.

Im Ort ist das Posto Tappa, wie zwei Tage vorher, im alten Schulgebäude diesmal am Ortsrand. Wir können der älteren Frau aus der Bar kaum so langsam folgen, wie sie mit uns durch den Ort schleicht. Das Gebäude ist in desolatem Zustand: Dreckig, vom obersten Stock tropft Wasser durch die Decke in unteres Bad und generell gibt es im Erdgeschoß wohl Feuchtigkeitsproblem.


Wir vier beziehen wohl die ehemalige Lehrerwohnung im ersten Stock und zum wirklich leckeren und reichlichen Abendessen spazieren wir zurück zur Bar.

Ein toller Wandertag geht zu Ende ...


Kommentare:

  1. Die einzelne Kuh steht immer noch dort!

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  2. Wow, nach 2 Jahren, DAS nenne ich mal konsequent *lol* ;-)
    Dazu paßt, daß mich heute eine Postkarte aus Italien erreichte, wo jemand nach 30 (DREISSIG) Jahren Anlauf meinen Geocache München-Venedig abgeschlossen hat.

    K2.

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